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Frischer Wind

E-Auto-Förderung und Bordsteinladen: Wie steht es um die Mobilitätswende?

Mit dem neuen Förderprogramm für Elektroautos sollen mehr Menschen den Umstieg wagen. Doch wie gut ist die Ladeinfrastruktur wirklich? Und wie sinnvoll sind Innovationen wie das Bordsteinladen im Alltag? Jetzt im NEW Magazin.
Vater und Tochter stehen am ladenden E-Auto.

Mit dem neuen Förderprogramm für Elektroautos möchte die Bundesregierung den Umstieg auf klimaneutrale Mobilität wieder attraktiver machen. Gleichzeitig sind viele Verbraucher:innen unsicher, was Elektromobilität heute tatsächlich leisten kann.  

Wir haben uns deshalb genauer angeschaut, wie es um den Markt für Elektroautos in Deutschland steht, und mit zwei Experten der NEW über E-Mobilität und Ladeinfrastruktur gesprochen. 

Ein Mann mit Glatze und Bart in dunklem Anzug mit weißem Hemd und Einstecktuch steht lächelnd mit verschränkten Armen in einem modernen Büro. Im Hintergrund sind helle Glaswände und verschwommene Pflanzen zu sehen.

Dr. Niklas Rotering …

… ist Bereichsleiter für die Kundenlösungen der NEW-Gruppe. Er verantwortet unter anderem die Themen rund um Elektromobilitätslösungen, Photovoltaik und nachhaltige Wärmekonzepte sowie die Heiz- und Betriebskostenabrechnung. Zuvor war er auch im Bereich Unternehmensentwicklung und als Investmentmanager im Energiesektor tätig. Dr. Niklas Rotering ist promovierter Elektroingenieur mit Fokus auf Energiesysteme und Elektromobilität.  

E-Autos: Alltagstauglicher als viele denken

Vorbehalte gegenüber Elektroautos halten sich hartnäckig: hohe Anschaffungskosten, Unsicherheit bei der Reichweite, komplizierte Technik. Fachleute sehen diese Bedenken zunehmend als überholt. „Wenn man alle Kosten ehrlich betrachtet, sind Elektroautos heute oft nicht teurer als klassische Verbrenner“, sagt Dr. Niklas Rotering. Das bestätigt auch eine aktuelle Rabattstudie des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer: Durch sinkende Preise und hohe Rabatte ist der Preisunterschied zwischen gefragten Elektroautos und vergleichbaren Verbrennern in Deutschland inzwischen auf rund 1.600 Euro geschrumpft.  

Ein junger Mann in schwarzem Anzug und weißem Hemd steht lächelnd an einer Glaswand in einem modernen Bürogebäude. Er hat dunkles, kurzes Haar und posiert professionell für ein Businessfoto.

Johannes Vieten …

… leitet das Center für Ladelösungen der NEW-Gruppe. Er ist für Planung, Aufbau und Betrieb öffentlicher Ladeinfrastruktur verantwortlich und begleitet den Ausbau von Ladepunkten in Städten und ländlichen Regionen. 
Johannes Vieten beschäftigt sich seit mehreren Jahren operativ mit Ladeinfrastruktur und Nutzeranforderungen im Alltag. 

Ladeinfrastruktur: Mehr vorhanden, als viele vermuten

Eine der zentralen Fragen beim Umstieg lautet: Wo kann ich laden? 

In vielen Regionen hat sich die öffentliche Ladeinfrastruktur in den vergangenen Jahren deutlich verdichtet. Innerhalb weniger Kilometer ist häufig eine Lademöglichkeit erreichbar, besonders entlang alltäglicher Wege. Die Bundesnetzagentur zählte zu Beginn des Jahres 145.256 Normalladepunkte und 48.729 Schnellladepunkte in Deutschland

Das bestätigt auch Johannes Vieten. „Man muss heute keine Angst mehr haben, mit dem E-Auto liegen zu bleiben“. Entscheidend sei, dass Ladepunkte dort entstehen, wo Menschen ohnehin Zeit verbringen. Gleichzeitig zeigen sich Unterschiede je nach Wohnsituation: Während Eigenheimbesitzer:innen oft zu Hause laden können, sind Bewohner:innen von Mehrfamilienhäusern stärker auf öffentliche Angebote angewiesen.

Abbildung von Geldscheinen

E-Auto-Förderung 2026: Das Wichtigste in Kürze

Die Bundesregierung plant ein neues Förderprogramm für Elektroautos, um den Umstieg auf klimaneutrale Mobilität zu erleichtern. Eine Antragstellung soll voraussichtlich ab Mai 2026 möglich sein. 

Förderfähig sind der Kauf oder das Leasing von Fahrzeugen, die nach dem 1. Januar 2026 neu zugelassen werden. Die Förderung kann rückwirkend beantragt werden – entscheidend ist das Datum der Neuzulassung. Die Förderung ist sozial gestaffelt und richtet sich unter anderem nach Einkommen und Fahrzeugtyp.

FAQ zur E-Auto-Förderung

Die größten Hürden liegen nicht im Auto, sondern im System

Technisch gelten Elektroautos inzwischen als ausgereift. Kritischer sehen Expert:innen dagegen die Preistransparenz beim öffentlichen Laden. Unterschiedliche Anbieter:innen, Apps und Tarife erschweren den Überblick. 

„Das Thema Laden ist für viele weniger ein Technik- als ein Verständlichkeitsproblem“, erklärt Vieten. Wer sich nicht regelmäßig damit beschäftigt, müsse sich erst orientieren: Welche Karte gilt wo? Was kostet der Ladevorgang wirklich? 

Rotering ergänzt: „Das Bezahlen unterwegs ist aktuell noch nicht so komfortabel wie beim klassischen Tanken, aber genau hier bewegt sich gerade viel.“ Tatsächlich plant die Bundesregierung, dass das Laden von Elektroautos so schnell und einfach wie Tanken werden soll, dank des sogenannten „Masterplan Ladeinfrastruktur“. Der Plan sorgt dafür, dass Ladesäulen rechtzeitig und dort gebaut werden, wo sie gebraucht werden, damit es nicht zu Engpässen kommt. Der Staat unterstützt den Ausbau, überlässt den Betrieb aber vor allem Unternehmen und achtet darauf, dass das Laden gut ins Stromnetz passt und erneuerbare Energie nutzt. 

Wo neue Ladesäulen entstehen und warum

Neue Ladepunkte werden gezielt dort aufgebaut, wo sie sinnvoll in den Alltag passen. Entscheidende Kriterien sind Aufenthaltsdauer, Nachfrage und bauliche Möglichkeiten. „An Supermärkten etwa reicht die Zeit eines Wocheneinkaufs oft aus, um das Auto wieder deutlich aufzuladen“, erklärt Dr. Niklas Rotering. In Wohnquartieren mit vielen Mehrfamilienhäusern setze man dagegen eher auf klassische Normallader, während Schnelllader vor allem an Verkehrsknotenpunkten sinnvoll seien. 

Stadt und Land: Die Debatte greift oft zu kurz

Eine häufig gestellte Frage lautet, ob ländliche Räume bei der Mobilitätswende abgehängt werden. „Auf dem Land haben viele Menschen die Möglichkeit, zu Hause zu laden – das ist ein echter Vorteil“, sagt Dr. Niklas Rotering. In Städten fehle diese Option dagegen oft. Wer über einen eigenen Stellplatz verfügt, kann mit einer Wallbox besonders komfortabel und meist günstiger laden als im öffentlichen Raum. Die eigentliche Herausforderung liege daher weniger im Stadt-Land-Gegensatz, sondern darin, Menschen ohne private Lademöglichkeit einen fairen Zugang zu Elektromobilität zu ermöglichen. 

Bordsteinladen: Lösung für besondere Fälle

Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur gibt es immer wieder Innovationen und Pilotprojekte, die das Laden von Elektroautos erleichtern sollen. Ein neuer Ansatz ist das sogenannte Bordsteinladen, bei dem Ladepunkte direkt im Gehweg integriert werden. Das kann dort helfen, wo klassische Ladesäulen aus Platz- oder Barrierefreiheitsgründen nicht möglich sind. 

„Das ist kein Gamechanger für die gesamte Ladeinfrastruktur“, ordnet Dr. Niklas Rotering ein. „Aber es kann an sehr speziellen Stellen eine sinnvolle Lösung sein.“ Zu den Nachteilen zählen deutlich höhere Kosten und geringere Sichtbarkeit. Deshalb gilt das Bordsteinladen aktuell eher als ergänzendes Werkzeug und nicht als flächendeckende Lösung. 

Warum Neugier wichtiger ist als perfekte Konzepte

Viele Innovationen zeigen ihren Wert erst im Alltag. Genau deshalb setzen Kommunen und Betreiber:innen auf Pilotprojekte, auch wenn nicht jede Idee langfristig überzeugt. 

„Man muss neue Technologien draußen testen, nicht nur im Labor“, sagt Johannes Vieten. Feedback der Nutzenden, Witterung und Alltagseinflüsse liefern Erkenntnisse, die kein theoretisches Konzept ersetzen können. Dr. Niklas Rotering fasst es so zusammen: „Mobilitätswende funktioniert nur, wenn man Dinge ausprobiert, daraus lernt und bereit ist, nachzuschärfen.“ 

Elektromobilität als das neue „Normal“

Elektromobilität ist heute keine ferne Vision mehr, sondern in vielen Regionen gelebte Realität. Die Technik ist ausgereift, die Infrastruktur wächst und die größten Unsicherheiten lassen sich oft durch Information und Erfahrung abbauen. 


Die NEW AG testet aktuell das Bordsteinladen, um neue Wege für das Laden im öffentlichen Raum zu erproben. Parallel informieren wir über Fördermöglichkeiten für E-Autos sowie über das Laden unterwegs und zu Hause. Auch Themen wie Wallboxen, Ladearten und Alltagstauglichkeit gehören dazu. 

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