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Frischer Wind

Wärmepumpe im Faktencheck: Was stimmt und was nicht?

Für die einen ist sie ein Baustein der Energiewende, für andere ein teures Experiment. Zwischen Mythen, Halbwahrheiten und berechtigter Kritik fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Zeit für einen Faktencheck im NEW Magazin. 

Ein Mann in dunklem Pullover bedient eine Wärmepumpe über eine Smartphone-App. Auf dem Handy-Display ist eine Temperaturanzeige sichtbar. Die moderne kleine Wärmepumpe steht auf einem Kiesbett neben einem grauen Blumentopf mit grüner Pflanze.

Wie funktioniert eine Wärmepumpe?

Das Grundprinzip ist einfacher, als es zunächst klingt, und funktioniert ähnlich wie ein Kühlschrank – allerdings in umgekehrter Richtung. Eine Wärmepumpe entzieht ihrer Umgebung Wärme, beispielsweise aus der Luft, der Erde oder dem Grundwasser. Diese Umweltwärme wird durch ein Kältemittel aufgenommen, verdichtet und auf ein höheres Temperaturniveau gepumpt. Daher auch der Name Wärmepumpe. Auf diese Weise entsteht Heizwärme für Räume und je nach System auch für die Warmwasserbereitung. 

Entscheidend für die Effizienz ist der Temperaturunterschied. Je ähnlicher die Temperatur der Wärmequelle der benötigten Heiztemperatur ist, desto weniger Strom benötigt die Wärmepumpe. Genau hier spielen eine gute Wärmedämmung des Gebäudes und passende Heizflächen eine wichtige Rolle. 

Wärmepumpe im Faktencheck: Die häufigsten Mythen

Rund um die Wärmepumpe kursieren viele Behauptungen, die verunsichern oder abschrecken. Manche sind nicht mehr auf dem aktuellen technischen Stand, andere beruhen auf Verallgemeinerungen. Ein genauer Blick zeigt, manchmal liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen und orientiert sich vor allem am individuellen Bedarf. 

Mythos 1: Wärmepumpen sparen kein CO₂ 

Doch, Wärmepumpen sparen in den meisten Fällen deutlich CO₂ ein. Zwar benötigen sie Strom, erzeugen daraus aber ein Vielfaches an nutzbarer Wärme. Moderne Anlagen erreichen häufig ein Verhältnis von etwa eins zu drei: Aus einer Kilowattstunde Strom entstehen rund drei Kilowattstunden Heizwärme. Der Strom in Deutschland stammt zunehmend aus erneuerbaren Energien. Dadurch verursachen strombasierte Heizsysteme langfristig deutlich weniger CO₂ als Gas- oder Ölheizungen, die fossile Brennstoffe verbrennen. 

Mythos 2: Wärmepumpen sind laut und stören die Nachbarschaft 

Teilweise ja, teilweise nein. Moderne Wärmepumpen sind deutlich leiser als ihr Ruf, dennoch können insbesondere Außengeräte Geräusche verursachen. Je nach Modell liegen die Schallpegel etwa zwischen 40 und 60 Dezibel – vergleichbar mit einer ruhigen Wohnstraße bis hin zu stärkerem Regen. Ob dies als störend empfunden wird, hängt maßgeblich von der fachgerechten Planung ab: Der richtige Aufstellort, ausreichende Abstände sowie schallentkoppelte Fundamente reduzieren die Geräuschentwicklung deutlich. Werden geltende Lärmgrenzwerte und baurechtliche Vorgaben berücksichtigt, spielt Lärm im Alltag in der Regel keine Rolle. 

Abbildung von einer Heizung.

Investition in nachhaltige Heiztechnik

Die Anschaffung einer Wärmepumpe liegt für Einfamilienhäuser in der Regel bei 20.000 bis 40.000 Euro, die jährlichen Betriebskosten betragen rund 1.000 bis 2.000 Euro. Durch effizienten Einsatz, Nutzung eigener PV-Stromversorgung und moderne Systeme lassen sich die laufenden Kosten deutlich reduzieren. 

Mehr erfahren zu Kosten, Modellen und Betrieb

Mythos 3: Im Winter bleibt das Haus mit einer Wärmepumpe kalt 

Nein, richtig ausgelegte Wärmepumpen liefern auch bei Minusgraden zuverlässig Wärme. Zwar sinkt die Effizienz bei sehr niedrigen Außentemperaturen, doch moderne Systeme sind darauf vorbereitet. Vereisungen an der Außeneinheit gehören zum normalen Betrieb und stellen keinen Defekt dar. Die Anlage taut sich automatisch ab und arbeitet anschließend wie vorgesehen weiter. 

Mythos 4: Wärmepumpen lohnen sich nur im Neubau 

Teilweise ja, teilweise nein. Neubauten mit guter Dämmung bieten ideale Voraussetzungen, doch auch im Bestand können Wärmepumpen sinnvoll eingesetzt werden. Oft reicht es aus, einzelne Heizkörper zu tauschen oder die Vorlauftemperatur zu optimieren. Eine vollständige Sanierung ist nicht zwingend notwendig. Auch Mehrfamilienhäuser lassen sich mit größeren Anlagen oder mehreren gekoppelten Wärmepumpen beheizen. Für Wohnungen mit Etagenheizungen gibt es ebenfalls praktische Lösungen.

Mythos 5: Die Anschaffungskosten sind zu hoch und lohnen sich nicht 

Oft sind die Anschaffungskosten einer Wärmepumpe höher als bei vielen klassischen Heizsystemen. Entscheidend ist jedoch der Blick auf die Gesamtkosten über die Lebensdauer. Niedrigere Betriebskosten, steigende Preise für fossile Energien und staatliche Förderungen können die Wirtschaftlichkeit deutlich verbessern. Zusätzlich steigert eine moderne Heiztechnik häufig den Wert der Immobilie, insbesondere in Kombination mit einer Photovoltaikanlage. 

Abbildung von Geldscheinen.

Wärmepumpe: Effizient & gefördert

Umweltfreundliche Wärmepumpen senken langfristig die Heizkosten, bei Fördermöglichkeiten von bis zu 70 Prozent. Ratenmodelle und staatliche Zuschüsse reduzieren die Investitionskosten deutlich. 

Weitere Informationen und Beratung zur Wärmepumpe

Mythos 6: Wärmepumpen sind gesetzlich vorgeschrieben  

Nein, das Gebäudeenergiegesetz schreibt keine bestimmte Heiztechnik vor. Vorgeschrieben ist lediglich, dass neue Heizungen einen bestimmten Anteil erneuerbarer Energien nutzen. Neben Wärmepumpen sind auch andere Lösungen zulässig. Öl- und Gasheizungen bleiben unter bestimmten Bedingungen erlaubt, teils mit Übergangsfristen und Auflagen. 

Warum es bei Wärmepumpen auf den Einzelfall ankommt 

Die Wärmepumpe ist kein Wundermittel, das jedes Haus im Handumdrehen perfekt beheizt. Sie ist aber auch längst nicht der Problemfall, als der sie manchmal dargestellt wird. Richtig geplant und passend zum Gebäude eingesetzt, kann sie Heizkosten senken, CO₂ sparen und klimafreundlich arbeiten ohne Öl und Gas. 

Am Ende gilt wie so oft: es kommt auf die individuelle Situation an. Wer sich Zeit für eine ehrliche Beratung nimmt und die eigene Situation realistisch einschätzt, trifft in der Regel die bessere Entscheidung. So kann der Winter kommen. 

 


Noch mehr Informationen zur Wärmepumpe, aktuellen Förderprogrammen und den Regelungen für 2026 finden sich hier auf der Webseite des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP). 

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