Wie ein Verein aus Heinsberg Inklusion auf den Spielplatz bringt
Spielplätze sind Orte zum Toben, Lernen und Begegnen. Doch für viele Familien sind sie bis heute nicht selbstverständlich zugänglich, etwa für Kinder mit Behinderungen oder Angehörige im Rollstuhl. Genau das will der Verein „Die Spielplatz Bande e.V.“ aus Heinsberg ändern. Mit viel ehrenamtlichem Einsatz, Spendenaktionen und Unterstützung aus der Region ist in den vergangenen zwei Jahren ein inklusiver Spielplatz entstanden, der möglichst vielen Bedürfnissen gerecht werden soll. Dahinter steckt nicht nur organisatorischer Aufwand, sondern auch eine sehr persönliche Geschichte. Wir haben mit Claudia Franzen, einer der beiden Gründerinnen des Vereins, über ihr Herzensprojekt gesprochen.
Spielplätze als Orte der Begegnung
Als Claudia vor einigen Jahren regelmäßig mit ihrer Tochter Spielplätze im Kreis Heinsberg besuchte, fiel ihr vor allem eines auf: Manche Anlagen waren liebevoll gestaltet, andere dagegen vernachlässigt, verschmutzt oder kaum einladend. „Ich habe mich gefragt: Warum machen wir nichts dagegen? Warum sprechen wir nicht darüber, wie Spielplätze schöner und familienfreundlicher werden können?“, erzählt sie. Besonders wichtig sind Spielplätze für sie als Orte der Begegnung. Kinder treffen dort auf unterschiedliche Altersgruppen, Hintergründe und Lebensrealitäten und lernen dabei nicht nur motorische, sondern auch soziale Fähigkeiten. Aus diesem Gedanken heraus begann Claudia zunächst auf Instagram als „Die Spielplatz Testerin“ (@die_spielplatz_testerin) über Spielplätze zu berichten und einen Austausch zwischen Eltern, Großeltern und Kommunen anzustoßen.
Wie aus Kritik ein inklusives Projekt wurde
Aus der allgemeinen Kritik entwickelte sich schließlich ein konkretes Anliegen: Inklusion. Den entscheidenden Impuls brachte Claudias Freundin und heutige Vereinskollegin Kathi Mobers ein. Ihre Mutter sitzt im Rollstuhl und konnte ihre Enkeltochter auf kaum einen Spielplatz begleiten. Die Eingänge waren oft zu schmal, die Wege nicht barrierefrei und viele Spielflächen ausschließlich aus Sand. „Da habe ich gemerkt, dass das kein Einzelfall ist, sondern ein grundsätzliches Problem“, sagt Claudia. Gemeinsam gründeten die beiden 2024 den Verein „Die Spielplatz Bande“ mit dem Ziel, inklusivere Spielplätze im Kreis Heinsberg zu schaffen.
Was einen inklusiven Spielplatz ausmacht
Ein inklusiver Spielplatz bedeutet für den Verein nicht, dass jedes Kind jedes einzelne Spielgerät nutzen können muss. Vielmehr geht es darum, dass überhaupt alle Kinder ein passendes Angebot finden und teilnehmen können. „Für mich bedeutet ein inklusiver Spielplatz, dass alle Kinder mitspielen können“, erklärt Claudia. Dafür braucht es zunächst Barrierefreiheit: breite Zugänge, befahrbare Wege und Bewegungsflächen für Rollstühle, Rollatoren oder Kinderwagen. Gleichzeitig sollen aber auch unterschiedliche Bedürfnisse mitgedacht werden, etwa von Kindern mit Sehbeeinträchtigungen oder aus dem Autismus-Spektrum.
Auf dem neuen Spielplatz in Heinsberg sind deshalb sogenannte Sinnesinseln, Klang-Elemente und Rückzugsorte entstanden. „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem sich möglichst viele Kinder wohlfühlen können“, sagt Claudia.
Zwei Jahre Ehrenamt zwischen E-Mails und Spendenaktionen
Bis zur Eröffnung des ersten eigenen Spielplatzes in Heinsberg war es ein langer Weg. Der Verein finanziert seine Projekte ausschließlich über Spenden und Förderprogramme wie die NEW-Vereinsförderung. Eine der ersten großen Aktionen war eine Charity-Kunstausstellung mit dem Künstler Markus M. Sommer, bei der rund 15.000 Euro Startkapital gesammelt wurden. Danach folgten Förderanträge, Sponsorengespräche, Gewinnspiele und unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit. „Ich habe jeden Tag dafür E-Mails geschrieben und telefoniert“, erzählt Claudia. „Wir haben wirklich alles auf dieses Projekt ausgerichtet.“
Ein emotionaler Moment bei der Eröffnung
Anfang Mai wurde der inklusive Spielplatz schließlich eröffnet und die Resonanz übertraf alle Erwartungen. Trotz wechselhaftem Wetter kamen hunderte Menschen: Eltern, Kinder und Großeltern, mit und ohne Beeinträchtigung. „Viele sind sogar im Regen geblieben“, erzählt Claudia. Besonders emotional wurde es während der Rede von Vereins-Mitgründerin Kathi Mobers. Sie sprach darüber, warum der Verein überhaupt entstanden war und über ihre Mutter, die ihre Enkelin früher nie auf einen Spielplatz begleiten konnte. Sie sagte: „Mama, dieser Spielplatz ist auch für dich.“ Für viele Gäste war das der bewegendste Moment des Tages.
„Eine Mutter kam später zu mir und sagte: Unser Kind konnte noch nie so viel auf einem Spielplatz machen. Wir sind euch so dankbar. Das ist das, wofür wir das tun.“ Diese Begegnungen werden Claudia lange in Erinnerung bleiben.
Mehr Wertschätzung für Ehrenamt
Für Claudia zeigt das Projekt vor allem eines: Ehrenamt kann viel bewegen, braucht aber mehr gesellschaftliche Anerkennung. „Ohne Ehrenamt würde unsere Gesellschaft an vielen Stellen gar nicht funktionieren“, sagt sie. Sie glaubt nicht, dass Menschen grundsätzlich kein Interesse daran haben, sich zu engagieren. Oft fehle schlicht die Zeit oder die Unterstützung. Trotz aller Herausforderungen hofft der Verein nun, dass der neue Spielplatz nicht nur ein Ort für Kinder wird, sondern auch ein Zeichen dafür, wie wichtig Gemeinschaft, Teilhabe und gegenseitige Unterstützung sind.
Ob soziale Projekte, Vereinsförderung oder nachhaltige Initiativen in der Region: Die NEW AG unterstützt Menschen und Ideen, die das Miteinander vor Ort stärken.


